Mein Bereich

Mentale Gesundheit

Die mentale Gesundheit von Kindern ist eine wesentliche Voraussetzung fĂĽr erfolgreiches Lernen, soziale Teilhabe und eine positive Entwicklung. Studien zeigen, dass etwa 15 – 20 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zeigen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Umso wichtiger ist es, die mentale Gesundheit bereits im Grundschulalter gezielt zu fördern. 
Schulen können dazu einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie die Resilienz der Kinder stärken. Resiliente Kinder können Herausforderungen besser bewältigen, mit Belastungen konstruktiv umgehen und gestärkt aus schwierigen Situationen hervorgehen – wichtige Fähigkeiten für den schulischen Alltag und darüber hinaus.

Resilienz und die 6 Schutzfaktoren

Im Leben läuft nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. Freundschaften können sich verändern, und manchmal kommt es zu Streit, Enttäuschungen oder Situationen, die einfach nicht funktionieren. Während solche Erfahrungen manche Menschen stark belasten, gehen andere daraus sogar gestärkt hervor. Diese Fähigkeit, trotz Schwierigkeiten handlungsfähig zu bleiben und Belastungen zu bewältigen, wird als Resilienz bezeichnet. Sie beschreibt die innere Stärke, in herausfordernden Momenten den Mut und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht zu verlieren [1]. Resilienz ist jedoch kein angeborenes Merkmal, sondern entwickelt sich aus vielen Einflüssen und kann deshalb gefördert und erlernt werden.
Die meisten Forscher*innen gehen davon aus, dass die ersten Lebensjahre entscheidend fĂĽr die Entwicklung von Resilienz sind [2].

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, die von Unsicherheit, schnellen Veränderungen und sozialer Ungleichheit geprägt ist. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie stark gesellschaftliche Krisen das Leben junger Menschen beeinflussen können. Viele Kinder litten in dieser Zeit unter fehlenden Strukturen, Einsamkeit und psychischer Belastung. Auch Themen wie Flucht und Krieg sind in ihrem Alltag spürbar, und zugleich stellt die Klimakrise sie vor neue Verantwortungen. Ungleiche Lebensbedingungen und Armut schränken außerdem ihre Chancen in Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe ein [3].
Kinder bleiben von aktuellen Krisen und Veränderungen nicht unberührt. Schon vor der Corona-Pandemie zeigte etwa jedes fünfte Kind in Deutschland psychische Auffälligkeiten, und während der Pandemie nahmen diese Belastungen weiter zu [4]. Laut der KiGGS-Studie weisen 16,9 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 – 17 Jahren psychische Auffälligkeiten auf [5].
Besonders häufig treten dabei Depressionen und Angststörungen auf, die oft bereits im Kindesalter beginnen und langfristige Folgen haben können [6]. Diese Ergebnisse sind ernst zu nehmen, denn psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter bleiben häufig bestehen: Rund 11 % gehen in eine chronische Form über, wenn nicht frühzeitig gezielte pädagogische und gegebenenfalls therapeutische Maßnahmen ergriffen werden [7].

Ein wichtiger präventiver Ansatz, um Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, gut mit schwierigen Situationen umzugehen und psychischen Erkrankungen vorzubeugen, liegt in der Förderung von Resilienz. Kinder, die über ausreichend Schutzfaktoren verfügen, können Belastungen besser bewältigen und bleiben auch in schwierigen Situationen stabil [2].
Diese Schutzfaktoren setzen sich aus individuellen Kompetenzen und sozialen Ressourcen zusammen, die einander ergänzen und stärken [8, 9].
  • Selbstwahrnehmung: Das Kind nimmt sich selbst bewusst wahr und lernt, individuelle Potenziale zu wertschätzen.
     â†’ Selbstwahrnehmung und Selbstwert stärken
  • Selbststeuerung: Das Kind erkennt seine GefĂĽhle, kann sie einordnen und angemessen damit umgehen.
    → Gefühle erkennen, ausdrücken und angemessen damit umgehen
  • Selbstwirksamkeit: Das Kind erlebt, dass es mit seinem Handeln etwas bewirken und Einfluss auf seine Umwelt nehmen kann.
    → Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit fördern
  • Problemlösefähigkeit: Das Kind kennt verschiedene Wege, um Schwierigkeiten zu bewältigen, und traut sich, Lösungen auszuprobieren.
    → Problemlösefähigkeiten aufbauen
  • Soziale Kompetenz: Das Kind kann Kontakte knĂĽpfen, Konflikte friedlich lösen und mit anderen mitfĂĽhlend umgehen.
    → Soziale Kompetenzen stärken
  • Stressverarbeitung: Das Kind bemerkt, wenn es gestresst ist, und kennt Möglichkeiten, sich zu entspannen und Stress abzubauen.
    → Strategien zur Stressverarbeitung entwickeln


Neben persönlichen Kompetenzen sind auch soziale Beziehungen entscheidend für die Entwicklung von Resilienz. Kinder werden in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung und ihrer Resilienz gestärkt, wenn sie Bezugspersonen erleben, die emotional positiv, wertschätzend und feinfühlig auf ihre Signale reagieren. Resilienz wird demnach nicht nur durch gezielte pädagogische Angebote gefördert, sondern vor allem in einem zugewandten, beziehungsorientierten und wertschätzenden pädagogischen Rahmen [8].
1) Fröhlich-Gildhoff, K.; Dörner, T.; Rönnau-Böse, M. (2021): Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen. München: Reinhardt.
2) Kubitschek, G. (2024): Resilienz im Alltag fördern. München: Don Bosco.
3) Deutscher Bundestag (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. BT-Drs. 20/12900.
4) Kaman, A. et al. (2023): Three years into the pandemic: Results of the longitudinal German COPSY study. Front Public Health.
5) Klipker, K. et al. (2018): Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. KiGGS Welle 2.
6) Statistisches Bundesamt (2023): Psychische Erkrankungen im Kindesalter.
7) Göbel, K. et al. (2018): ADHS in Deutschland – KiGGS Welle 2.
8) Wilmes-Mielenhausen, B. (2024): Resilienz erleben in der Kita. Freiburg: Herder.
9) Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse (2019): Resilienz. Stuttgart: UTB.

Übungen, um Kinder im Schulalltag zu stärken

Hier finden Sie ab September 2026 hilfreiche Praxistipps, um die Schutzfaktoren der Kinder im Unterricht und im Schulalltag gezielt zu fördern!